Die Deutschen wollen an der Ladenkasse nicht mit Handy zahlen

Laut Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte wird sich das auch nicht so schnell ändern.

27.07.2017

Beim Blick auf das Konto und beim Bezahlen wollen sich die Deutschen nicht auf Ihr Smartphone verlassen. Nur ungefähr jeder fünfte Bankkunden zeigt sich gegenüber Mobile Payment offen. Drei von fünf Kunden schließen das mobile Bezahlen für sich aus. Ca. 20 Prozent der Bankkunden sind noch untentschlossen und haben zu dem Thema keine Meinung. Laut einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte sehen die Deutschen noch keinen klaren Nutzwert des Bezahlens mit dem Smartphone. Auch Sicherheitsbedenken und das fehlende Angebot an Bezahl-Apps stehen der Nutzung von Mobile Payment noch im Wege.

Klaus Böhm, Director und Leiter Medien bei Deloitte: „Die wenigsten Smartphone-Besitzer hierzulande haben ihren alltäglichen Begleiter schon einmal an der Kasse gezückt, um damit ihre Einkäufe zu bezahlen.“ Gerade einmal vier Prozent aller Mobilfunkteilnehmer in Deutschland haben schon einmal mit ihrem Smartphone im Laden bezahlt. Und nur die Hälfte von diesen tut das mit einer gewissen Regelmäßigkeit. Das hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte in einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage unter mehr als 2.000 Bundesbürgern herausgefunden.

Altersübergreifend haben 96% noch nie per Smartphone im Ladenlokal bezahlt. Besonders überraschend ist die Erkenntnis, dass auch die sonst so technikaffinen Generationen X, Y und Z (Jahrgänge ab 1976 bzw. ab 1998) im Geschäft lieber zur altbewährten EC-Karte oder zum Bargeld greifen. Hauptgründe für die Skepsis der Verbraucher in Deutschland sind dabei der nicht erkennbare Mehrwert, unübersichtliche Angebote sowie Sicherheitsbedenken. Allerdings verwenden viele Verbraucher bereits mobile Banking-Services. Das zeigt, dass die geringe Nutzung nicht in einem generellen Misstrauen gegenüber digitalen Banking-Diensten begründet liegt. Stattdessen fehlt den Konsumenten hierzulande nach wie vor ein überzeugendes Angebot mit zahlreich vorhandenen Akzeptanzstellen.

Die Ergebnisse der Studie sind für Anbieter mobiler Bezahlsysteme ernüchternd. In Deutschland scheint ein Durchbruch dieser Bezahlart immer noch in weiter Ferne. Die Gründe für die Zurückhaltung sind vielfältig. So werden genannt:

  • Mangelnder Nutzwert: 45 Prozent aller Nicht-Nutzer sehen nach eigenen Angaben im mobilen Bezahlen gegenüber etwa der Karten- oder Barzahlung keinen Mehrwert.
  • Sicherheitsbedenken: 38 Prozent von ihnen erscheint das Bezahlen mit dem Smartphone an der Ladenkasse als nicht sicher genug.
  • Fehlende Software: 18 Prozent verfügen über keine passende App fürs mobile Bezahlen.
  • Unbekannte Akzeptanzstellen: Elf Prozent wissen nicht, in welchen Geschäften sie überhaupt mit dem Smartphone bezahlen könnten.
  • Umständlichkeit: Neun Prozent glauben, dass der Aufwand beim mobilen Bezahlen zu hoch ist.
  • Transparenz: Sieben Prozent geben an, es fehle Ihnen die Übersicht über die App-Angebote.
  • Handhabung: Sieben Prozent finden die Handhabung wegen kleiner Touchscreens zu umständlich.

Auch im Lauf des Jahres 2017 wird Mobile Payment in Deutschland nicht an Fahrt aufnehmen. Trotz zahlreicher Initiativen namhafter nationaler und internationaler Akteure verwendet nur ein verschwindend kleiner Prozentsatz mobile Bezahlmethoden. Zurückhaltung besteht dabei in allen Altersgruppen. Hauptgründe der Verbraucher in Deutschland sind dabei der nicht erkennbare Mehrwert, unübersichtliche Angebote sowie Sicherheitsbedenken.

Die Gründe liegen nach Ansicht der Studienautoren vor allem bei den Anbietern von Mobile Payment-Anwendungen. In der Hardware seien die Voraussetzung für eine bequeme Handhabung dank größerer Screens und mehr Leistung bei den Smartphones bereits gegeben. In puncto Software aber vermisst die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft noch eine „weithin akzeptierte Lösung, die für Nutzer so selbstverständlich geworden ist wie die Google-Suche oder das Herunterladen einer App.“

Wichtig ist jedoch auch, dass möglichst viele Geschäfte das mobile Zahlen zulassen. Am wichtigsten ist jedoch vom Kunden her zu denken. Gerade der nicht erkennbare Mehrwert stellt laut Studie das größte noch zu überwindende Hindernis dar. Die Einbindung von Bonus- und Kundenkarten etwa könnte hier Anreize schaffen, empfehlen die Studienautoren.