Registrierkassenpflicht in Tschechien

Probelauf für Gastronomie startet

10.11.2016

Was in Deutschland noch heiß diskutiert wird, ist in anderen Ländern der Europäischen Union längst tägliche Realität. So müssen Gewerbetreibende in Italien und in Österreich schon heute zwingend eine elektronische Ladenkasse benutzen. Außerdem sind sie verpflichtet jedem Kunden einen Kassenbon auszuhändigen. In Italien kann sogar der Kunde bestraft werden, wenn er den Kassenbon nicht mitnimmt.


RegistrierkasseIn Tschechien will die Regierung jetzt auch die Kassenpflicht für alle Gewerbetreibenden einführen. Insbesondere Finanzminister Andrej Babiš verspricht davon zusätzliche Steuer-Einnahmen in Milliardenhöhe. Der entscheidende Punkt an der tschechischen Regelung: Die elektronischen Registrierkassen sollen online mit den Finanzbehörden verbunden werden. Die Testphase hierzu soll noch im Jahr 2016 abgeschlossen werden.


In Tschechien soll in Zukunft jeder einzelne Kassenbon registriert werden. Den Anfang machen die Gastbetriebe. Das heißt Hotels, Pensionen, Restaurants oder Cafés werden ab Dezember 2016 in Tschechien zur elektronischen Registrierkasse verpflichtet sein. Zunächst einmal wird ihnen noch eine Übergangsfrist von gerade einmal einem Monat eingeräumt, wie tschechische Medien berichten.


In weiteren Schritten soll die Registrierkassenpflicht auf fast alle Unternehmer ausgedehnt werden, die Waren oder Dienstleistungen verkaufen. Schon ab 1. März kommenden Jahres startet die zweite Etappe, bei der Einzel- und Großhandel eingebunden werden – und damit rund 250.00 weitere Betriebe.


Bisher fehlen allerdings noch in vielen Geschäften die technischen Voraussetzungen. Deswegen ist das Gesetz der Regierung nicht unumstritten. Die Opposition drängt auf eine Verschiebung oder eine längere Übergangszeit. Aber darauf will sich das Finanzministerium nicht einlassen. Die Regierung verweist auf eine weit verbreitete Neigung zur Steuerhinterziehung bei Bargeldgeschäften. „Da werden die Ehrlichen bestraft“, wird eine Sprecherin des Finanzministeriums zitiert. Der Finanzminister rechnet mit 4,3 Milliarden Kronen (ca. 160 Mio. €) an zusätzlichen Steuereinnahmen nach der Startphase. Wenn alle vier Phasen angelaufen sind sollen es über 18 Milliarden Kronen (670 Mio. €) im Jahr an zusätzlichen Einnahmen für den Tschechischen Staat werden.